Dienstag, 7. Juni 2016

Rezension: "Das Gleismeer" von China Miéville

Titel: Das Gleismeer
Autor: China Miéville
Verlag und Leseprobe: Heyne Verlag
TB, 400 Seiten
Preis: 13,99 €
Reihe: nein



 „Das Gleismeer“ von China Mièvielle

Inhalt:

Ein ungewöhnlicher Roman,  mit einem Thema, das es so noch nicht gab:
Eine Art postapokalyptische Welt.
Die Welt der Menschen besteht aus Zügen: Quasi die gesamte Erdoberfläche ist mit Gleisen überzogen, und die Berufe haben sich zum großen Teil so entwickelt, dass sie auf fahrenden Zügen ausgeführt werden können – sei es Jäger, Pirat, Militär, Artefaktesammler, Arzt oder anderes.
Außerhalb davon leben die Menschen in Refugien zwischen den Gleisen, die Inseln bilden, denn direkt auf der Erdoberfläche ist es nicht sicher: Riesenhafte, mutierte Tiere aller Art – seien es flugzeuggroße Maulwürfe, armlange Würmer oder kopfgroße Käfer – mit Appetit auf Menschenfleisch leben unter der Erde und in Tunneln, um jeden Mensch, der aus Versehen einen Fuß auf die blanke Erde zwischen den Gleisen oder Inseln setzt, binnen Minuten zu verschlingen.
In dieser Welt lebt Sham – ein Jugendlicher, der bei Verwandten aufwächst, da er seine Eltern verloren hat, und nichts lieber täte, als Artefakter zu werden – Entdecken, sammeln, studieren und reparieren alter herumliegender Artefakte aus vorhergehenden Epochen, die zwischen den Gleisen und in alten Zugwracks noch zuhauf zu finden sind.
Doch seine Verwandten stecken Ihnen in einen Zug der Maulwurfjäger, um dort Gehilfe des Zugarztes zu werden.
Mehr schlecht als recht kämpft sich Sham durch unter seinen spottenden Kameraden und einer Kapitänin, die nichts anderes im Sinn zu haben scheint, als ihre persönliche Nemesis, den Monstermaulwurf Moldywarp zu fangen.
Doch als Sham in einem Zugwrack eine Speicherkarte entdeckt und durch Zufall die Bilder darauf sieht, entdeckt er das Unfassbare: Ein einzelnes Gleis, das ins nirgendwo führt. Das undenkbare, nicht existierende Ende des Gleismeers.
Fortan ist Sham von der Idee beseelt, den Bildern und der Geschichte, die Ihnen innewohnt, auf den Grund zu gehen, und beginnt seine abenteuerliche Reise erst richtig.

Beurteilung

Wie ich eingangs sagte – ein sehr ungewöhnliches Buch in jeder Hinsicht. Postapokalyptischer Steampunk mit einer einmaligen Idee, verpackt in einen etwas seltsamen Schreibstil, an den man sich gewöhnen muss.
Die herausragendsten Merkmale sind, dass der Autor jedes Mal statt dem Wort „und“ das Zeichen „&“ verwendet – am Anfang extrem nervig, bis man es irgendwann nicht mehr wahrnimmt, es wird übrigens auch im Buch direkt angesprochen.
Der Autor ist hier der direkte Erzähler, aber auch das ist nur in den kurzen Switches zwischen den Handlungssträngen spürbar, in denen der Leser direkt angesprochen wird.
Soviel zu den äußeren Umständen, an die man sich wie gesagt schnell gewöhnt. Die Story selbst nimmt einen recht unerwartet mit – mir ging es so, dass ich nach den ersten Seiten dachte „oh je, das wird anstrengend…“ und dann gemerkt habe, dass ich 200 Seiten weiter bin und das Buch nicht zur Seite legen kann.
Sehr schnell schließt man den jungen Sham, die Hauptperson des Buchs, ins Herz, denn er ist ein typischer Halbwüchsiger, unschlüssig, neugierig, ungeduldig, wankelmütig, eben wie viele von uns in dem Alter, gleich der Lebensumstände.
Die Welt, in der Sham lebt, ist faszinierend und extrem gut beschrieben, so dass man beim Lesen richtig Kopfkino bekommt.
In jedem Kapitel entdeckt man neue Welten für sich. Bis zum Ende bleibt leider viel unerzählt und der Fantasie viel Spielraum, um sich den Rest auszumalen. Es scheint nicht unbedingt eine Fortsetzung geplant zu sein – was sehr schade ist, denn man fängt am Ende eigentlich gerade erst an, die Welt von Sham und seinen Freunden zu entdecken.
Ein einzigartiger Roman, der einen um eine tolle Leseerfahrung bereichert.

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