Sonntag, 4. September 2016

Rezension: "In einer anderen Welt" von Jo Walton

Titel: In einer anderen Welt
Autor: Jo Walton
Verlag und Info: Blanvalet
TB, 415 Seiten
Preis: 9,99 €
Reihe: nein



 „In einer anderen Welt“ von Jo Walton

Inhalt:

In den 1970er Jahren: Die Zwillinge Morganna und Morwenna lebten zusammen in Wales bei Ihrer Mutter, der Vater hatte sie verlassen.
Doch ihre Mutter ist mit bösen Mächten im Bunde, und als die beiden Mädchen Ihrer Mutter mit Hilfe der Ihnen zur Verfügung stehenden Magie mit Hilfe der walisischen Feenwelt das Handwerk legen wollen, stirbt Morganna, und Morwenna überlebt mit einem verkrüppelten Bein.

Morwenna lebt nun bei Ihrem Vater und seinen Schwestern, die sie in das Internat Arlinghurst stecken, wo Morwenna sehr einsam ist – aber ihre Bücher, das einzige, was sie mit ihrem Vater gemeinsam zu haben scheint, helfen ihr, das Leben trotzdem schön zu finden.

In Arlinghurst gibt es keine Feen wie in Wales,  doch Morwennas Vergangenheit lässt sie trotzdem nicht los. Ihre Mutter verfolgt sie auf magische Weise, und Morgannas Geist taucht auf einmal auf und wünscht sich ihre Hilfe, um ins Feenreich zu gelangen.
Auf der einen Seite wünscht sich Morwenna nichts sehnlicher, als wieder mit Ihrer Zwillingsschwester zusammen zu sein – auf der anderen Seite gibt es da natürlich noch den gutaussehenden Wim, den sie im Buchclub kennengelernt hat und der ihr zeigt, dass das Leben doch vielleicht noch etwas zu bieten hat.
Wie wird sich Morwenna entscheiden?

Beurteilung

Zur Leseentscheidung: Ich finde das Cover und den Titel wunderschön und ansprechend. Der Klappentext klang genau nach dem , was mir gefällt.

Der Roman ist in Form von Morwennas Tagebuch geschrieben. Am Anfang ist es etwas befremdlich, denn die aktuelle Handlung wird immer wieder sehr lang und ausführlich von Berichten aus verschiedenen Stadien der Vergangenheit unterbrochen, aber man gewöhnt sich schnell daran.
Über die Tagebuchform nehmen wir sowohl an den aktuellen Handlungen als auch an Morwennas Gefühlen und Gedanken aus erster Hand teil, was die Geschichte sehr viel persönlicher rüberkommen lässt als die normale Erzählform in der dritten Person.
Der Clou ist – und ich hoffe ich verrate hier nicht zuviel – dass eigentlich bis zum Ende hin nicht klar gesagt werden kann, was Realität ist und was nur in Morwennas Kopf existiert. 

Der Leser kann glauben oder auch nicht – das wird uns vollständig überlassen. Und das ist so gut umgesetzt, wie ich es selten oder sogar gar nicht gelesen habe bisher.
Man könnte den übersinnlichen Teil eigentlich wegstreichen und hätte die gleiche Geschichte fast ungekürzt vorliegen, aber es wäre eben einfach nicht dasselbe Gefühl.
Man muss Morwenna einfach lieben – ein junges Mädchen, dass ein absoluter Außenseiter ist, da sie einfach anders denkt und fühlt als der Rest der Internatsmädchen – und doch so stark und selbstbewusst, dass ihr Schicksal sie nicht brechen kann. Morwenna selbst merkt das nicht – was sie um so sympathischer macht – der Leser um so mehr.

Trotz der eher ungewöhnlichen und in der Handlung springenden Erzählform, die Gedankengänge eines Tagebuchs nun mal so an sich haben, liest sich die Geschichte flüssig und ist, auch wenn nicht viel passiert, sehr spannend, da man immer auf den großen Knall wartet, der aber eigentlich nicht kommt.
Die Erzählung läuft eher ruhig vonstatten – wie es eben im Leben auch meistens so ist. Es besteht nicht aus den großen Ereignissen, sondern den kleinen Momenten.
Ein tolles Buch, das berührt und der Fantasie eine große Spielwiese bietet, auch wenn die übliche Bildgewaltigkeit eines Fantasyepos nicht vorhanden ist. 

Ich gebe dem Buch 5 von 5 Rezisternchen, weil es geschafft hat, was nur wenige Bücher schaffen – ich habe auch nach dem Ende noch einiger Zeit immer wieder gemerkt, wie meine Gedanken zu der Geschichte schweifen.

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