Mittwoch, 16. November 2016

Rezension: "Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln" - Hrsg. Christian Handel (Anthologie)

Titel: Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln
Autor: Diverse - Hrsg. Christian Handel
Verlag und Infos: Drachenmond Verlag
TB, 405 Seiten
Preis: 14,90 €
Genre: Fairytale Fantasy
Reihe: Nein

Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln - Hrsg. Christian Handel

In dieser Anthologie finden wir 18 Kurzgeschichten verschiedener Autoren wieder, von denen uns viele wohlbekannt sein dürften:

Julia Adrian, Susanne Gerdom, kate Forsyth, Nina Blazon, Seanan McGuire, Nina Bellem, Mara Lang, T. Kingfisher, Tanja Kinkel, Diana Menschig, Christoph Marzi, Anna Milo, Fabienne Siegmund, Katrin Solberg, Christian Handel, Björn Springorum, Susan Wade und Juliet Marillier.

Die Geschichten hängen nicht zusammen, haben aber eine große Gemeinsamkeit: Sie adaptieren viele der Märchen, die uns durch unsere Kindheit begleitet haben und viele von uns auch jetzt noch begleichen: Bekannte Märchen wie Rumpelstilzchen, Dornröschen, Schneewittchen, Aschenputtel, die 7 Schwäne, Ali Baba und die 40 Räuber und die Baba Jaga begegnen uns, aber auch in unserem breitengraden unbekanntere Märchen werden verarbeitet.

Sehr spannend ist es, dass wir zwar das Märchen erkennen, es aber oft ganz anders ausgeht: In den Geschichten spinnen die Autoren ihre Ideen, wie es überhaupt zur Situation des Märchens kam oder wie es nach dem "Happy End" weitergeht - oder, was mir persönlich am besten gefallen hat, eine alternative Erzählung des Märchens. 

Alle 18 Geschichten zu rezensieren, wird hier vermutlich den Rahmen sprengen, deswegen möchte ich Euch an dieser Stelle meine Favoriten vorstellen, die mir am besten gefallen haben:

An erster Stelle wäre hier unerwartet aber tatsächlich die Geschichte der Baba Jaga zu nennen, die unter anderen in "das knöcherne Mütterlein" von Björn Springorum verarbeitet wurde und eine Schachtelerzählung ist. Da überlief mich wirklich eine Gänsehaut beim lesen und diese Geschichte hat meiner Meinung nach die stärkste atmosphärische Ausstrahung im ganzen Buch.

Ebenfalls hervorheben will ich "Knochenlicht" von Juliet Marillier - ausgerechnet die Kurzgeschichte, die eigentlich nicht ins Konzept passt, weil sie in der Gegenwart spielt und kein bekanntes Märchen verarbeitet - aber eine sehr traurige, dennoch durchaus reale Situation beleuchtet und es schafft, das ganze trotzdem mit gutem Zauber und Magie in einem tröstlich gerechten Licht zu beleuchten.

Die lustigste Märchenadaption ist mit Abstand "der Schuh der Dryade" - eine, sagen wir, etwas alternative Version von Aschenputtel, die uns zeigt, dass Aschenputtel eigentlich überhaupt keinen Bock auf ein Schloss und einen Prinzen hat und es auch andere Wege gibt, glücklich zu werden :-)

Am gespanntesten war ich auf die Geschichte von Christoph Marzi - einem meiner erklärten Lieblingsautoren, dessen Reihe um die uralte Metropole mich tief beeindruckt hat und von dem ich seitdem jedes von ihm erschienene Buch einfach verschlungen habe.

Er hat eine sehr freie Version von Rumpelstilzchen in "das Glück lebt still im tiefen Wald" erfunden, bei der ich ohne die Erwähnung des Namens selbst in der Geschichte vermutlich nicht auf das zugrunde liegende Märchen gekommen wäre, jedoch die Geschichte nichtsdestotrotz zu meinen Favoriten zählt.

So, dass wären dann mal nur die 4, die mich am meisten beeindruckt haben - aber alle 18 Geschichten sind toll, auch wenn ich ganz insgesamt das Fazit ziehen muss, dass leider nicht alle Erzählungen mich in ihren Bann ziehen konnten. Manchen - auch guten und bekannten - in diesem Buch vertretenen Autoren ist es leider nicht gelungen, in die paar zur Verfügung stehenden Seiten das entstehen zu lassen, was ihre Romane ausmacht. 

Trotzdem ist es das erste Mal, das ich ein Buch dieser Art in den Händen gehalten habe, und diese Sammlung von nachempfundenen Märchen in dieser Güte zusammenzustellen ist eine Leistung für sich. 

Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch die Gestaltung des Buches selbst: Zu jeder Geschichte gibt es eine kurze Einleitung des Herausgebers (der ja auch selbst mit einer Geschichte vertreten ist), in der uns auf etwa einer halben Seite die Herkunft, Werdegang und die bekanntesten Werke des nachfolgenden Autors vorgestellt werden, was ich sehr interessant und aufschlussreich fand.

Das Vorwort von Christian Handel sowie das Nachwort von der lieben Astrid vom Drachenmond Verlag sind es auf jeden Fall ebenfalls wert, gelesen zu werden.

Und das Buch an sich in der Hand zu halten macht ohnehin Spaß - das Cover ist wundervoll gestaltet und jede Seite ist mit einem wunderschönen Rahmen gedruckt. Darüber hinaus hat jede Geschichte eine andere "Insignie", die auf den jeweiligen Seiten oben abgedruckt ist. 

Ich lege Euch diese Anthologie ans Herz - ihr werdet hinterher einfach nur noch mehr wollen.

Volle Punktzahl für dieses märchenhafte Werk - 5 von 5 Rezisternchen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen