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Freitag, 21. Mai 2021

Rezension: "30 Tage" von Oliver Pätzold



Titel: 30 Tage
Autor: Oliver Pätzold
Info: Autorenseite auf Amazon.de
Bewertung: 5/5 Sterne
TB, 424 Seiten
Preis: 12,99 €
Reihe: Nein
Genre: Dystopie
VÖ: 2021
© Oliver Pätzold 

Werbung - Dieses Buch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

30 Tage - Oliver Pätzold 

Inhalt

Nina, Julia und Valerie hätten es nie geglaubt: Eher genervt von den ständigen Kriegsnachrichten im Fernsehen bemühen sie sich, sich auf ihr WG-Leben zu konzentrieren und das Leben zu genießen.

Doch dann geschieht das Unfassbare: Der internationale Konflikt eskaliert - und auch Deutschland bleibt nicht verschont: Eine Atombombe schlägt bei München ein. In dem danach entstehenden Chaos müssen die drei Mädchen fliehen. Und glauben sie zunächst noch an die Option, dass die Regierung alles im Griff hat und die Flüchtlingsströme versorgen und organisieren wird, wird schnell klar: 

Alles ist noch schlimmer als gedacht - und die extreme Strahlung von der Atombombe hat irreversible Folgen. 

Beurteilung 

Das ist nicht mein erstes Buch von Oliver Pätzold. Und hoffentlich auch nicht mein Letztes. Andererseits - ich sollte eigentlich wirklich nichts mehr von ihm lesen.

Denn er schafft es wie kein Anderer, mir beim Lesen ein unglaublich beklemmendes Gefühl zu geben, in mir wirklich Angst hervorzurufen, die auch lange nach dem Lesen noch in mir nachhallt. Ich will es eigentlich gar nicht Dystopie nennen, denn er beschreibt ein Szenario, das eigentlich jeden Tag eintreten kann.

Er zeigt erschreckend realitätsnah auf, wie schnell die in den Nachrichten immer so fern erscheinenden kriegerischen Konflikte auch uns erreichen können - und wie endgültig kleine Auslöser unser vermeintlich so sicheres Leben zerstören und für immer verändern können.

Wie schnell der dünne Anstrich der Zivilisation und des Fortschritts verloren geht und sich jeder nur noch selbst der Nächste ist, wie schnell alles zusammenbrechen kann.

30 Tage ist nichts für Hollywood, denn es ist keine Geschichte mit strahlenden Helden und Übermenschen, die die Welt am Ende retten. 30 Tage beschreibt einfach schonungslos ehrlich und für uns Leser total nachvollziehbar und echt, was passieren würde, wenn bei uns eine Atombombe niedergeht. In stündlicher Detailtreue werden am Beispiel einer jungen Mädchen-WG die ersten 30 Tage nach dem Einschlag beschrieben. 

Ich finde es toll, dass der Autor sich für Protagonisten entscheidet, die schwach sind, die schon durch den Einschlag beeinträchtigt und mit direkten Folgen der Strahlung kämpfen, Frauen und Männer verschiedenen Alters und verschiedener Lebenssituationen, für eine Handlung, in der nicht nur unbedeutende Nebenfiguren schreckliche Schicksale erleiden. Dadurch kann man sich einfach zu 1000% in die einzelnen Figuren hineinversetzen und total mitleben, sich selbst in die Situation hineinversetzen und überlegen, wie man selbst handeln würde.

Für mich macht die Faszination aus, wie packend und glaubhaft Oliver Pätzold die Situation und die Entwicklung schildert. Er lässt nichts aus, und ich finde es sehr wohltuend (und zugleich auch furchtbar beängstigend) mal eine Version zu lesen, in der nicht zufällig ein auf das Überleben getrimmer amerikanischer Militärveteran oder sonst irgendein Überheld dafür sorgt, das alle sicher durchkommen - nein, ganz normale Menschen müssen mit den Folgen der radioaktiven Strahung, dem völligen Fehlen von technischen Hilfsmitteln, dem plötzlichen Abschneiden von sämtlichen Kontakten zu Freunden und Familien und der absoluten Hilflosigkeit klarkommen, müssen erleben, wie Menschen auf einmal skrupellos und gewalttätig werden, um das eigene Überleben zu sichern.

Ich habe bislang wirklich noch keinen Autor gelesen, der solche Szenarien so echt und glaubhaft erzählt wie Oliver Pätzold. Das Buch war in kürzester Zeit verschlungen und es zeigt einfach nichts als die bittere Wahrheit - das eben manchmal auch nicht einfach alles gut wird. 

Das Buch lässt mich restlos begeistert zurück - aber ich muss auch eine Warnung aussprechen: Die Geschichte könnte zu plötzlicher Begeisterung fürs Hamstern und Preppern führen bzw. sowieso schon vorhandene Tendenzen noch beim Lesen gründlich befeuern. 

Einfach megaspannend und atemberaubend - perfekt umgesetzt. Daher mindestens 5/5 Sterne von mir.


Klappentext

Überleben ist nicht immer die beste Option. Während eines heißen Sommers geschieht das Unfassbare: Der schwelende Konflikt mehrerer Supermächte eskaliert, es folgen weltweite nukleare Einschläge. Für die neunzehnjährige Nina beginnt ein verstörender und unfassbarer Albtraum. Wie viele andere Metropolen wird auch das nahe liegende München ausgelöscht. Völlig überhastet flieht sie zusammen mit ihren beiden Gefährtinnen Julia und Valerie sowie ihrem Freund Sascha nach Süden, dorthin, wo man keine radioaktive Verseuchung vermutet. Doch mit jedem Tag stirbt mit den Bewohnern auch die Menschlichkeit der Überlebenden. Gibt es in den Alpen wirklich die ersehnte Schutzzone? Und wie viel Zeit bleibt ihr noch in einer grausamen, nuklear verstrahlten Welt, in der Leben kein Gewinn, sondern eine verdammte Strafe ist?

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