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Dienstag, 24. Dezember 2019

Rezension: "Das Institut" von Stephen King

Titel: Das Institut 
Autor: Stephen King 
Verlag und Info: Heyne Verlag
Wertung: 5/5 Sterne 
HC, 760 Seiten
Preis: 26,00 €
Reihe: nein
Genre: Horror / Thriller
VÖ: 2019
© Heyne Verlag 


Das Institut - Stephen King 


Inhalt 

Der 12jährige Luke, dessen Eltern mit seiner extremen Intelligenz etwas überfordert sind, wird eines Nachts gekidnappt, seine Eltern brutal ermordert, und er findet sich in einem streng geheimen und von der Außenwelt abgeschnittenen Institut wieder, das seltsame Experimente mit Kindern anstellt, die sich steigern bis die Kinder irgendwann auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Luke und seine Leidensgenossen werden zunehmend verzweifelt, weil sie den Sinn und Zweck nicht verstehen, aus denen sie im Institut festgehalten werden. Doch als der 10jährige Avery ins Institut gebracht wird, wendet sich das Blatt. 

Als die Kinder allmählich herausbekommen, wofür sie benutzt werden, beschließen sie dagegen anzukämpfen. 
Zu dem Zeitpunkt verdingt sich der ehemalige Polizist Tim kurzentschlossen als Aussteiger in einem kleinen Kaff als Nachtklopfer und Lagerarbeiter und ahnt noch nicht, wie bald das Schicksal der Welt von ihm und Luke abhängen wird... 


Beurteilung 

Eins vorweg: Obwohl ich seit gut 30 Jahren treuer Leser der Bücher von Stephen King bin und mich durchaus als Fan sehe, haben mir nicht alle Bücher gut gefallen und vor allem in einer Phase bis vor 2,3 Büchern fand ich die Werke oft eher langatmig und gar nicht mehr so sehr horrormäßig wie die alten Werke, die schon echte Klassiker sind (Carrie, Friedhof der Kuscheltiere, Cujo etc.).

Auch wenn ich das Institut nicht als typischen King-Horror bezeichnen kann, ist es für mich seit langem der beste King, den ich gelesen habe. Der Schreibstil ist flott, flüssig und modern und hat überhaupt nichts von der stillen Langatmigkeit, die viele seiner Bücher kennzeichnet, und die hauptsächlich von einer unterschwelligen Atmosphäre handeln. 

Hier gibt es tatsächlich viel Handlung, viele Dialoge, und eben keinen Horror im eigentlich Sinn mit durchgeknallten Hausmeistern oder bösartigen Clowns oder fußabhackenden Single-Damen. "Das Institut" bewegt sich eher in die Richtung paranormale Wissenschaften, ist aber nicht nur eine reine Fantasie, sondern man merkt durchaus, dass King hier ein bisschen abrechnet mit unseren Reichen und Mächtigen, die in der Politik am Hebel sitzen. An dieser Stelle: Danke, Stephen King, für den einen Satz zum Thema aktuelle amerikanische Regierung relativ am Ende des Buchs.

Bei "das Institut" handelt es sich um einen Einzelband, bei denen die ersten paar Dutzend Seiten erst einmal einen Akteur, den ehemaligen Polizisten Tim, einführen, von dem man dann relativ lange erstmal nichts mehr mitbekommen.

Nach dem Szenenwechsel zum Institut begleiten wir als Leser erst einmal eine Weile den 12jährigen, superintelligenten jungen Luke, der gekidnappt wird und sich im Institut wiederfindet, wo seltsame Experimente an Kindern zwischen 10 und 16 Jahren durchgeführt werden. Erst sehr spät verknüpfen sich die Schicksale von Luke und Tim.
Der Schauplatz ist übrigens wie üblich Amerika, auch Maine, aber nicht Castle Rock :-) Spielt hier allerdings auch keine große Rolle. 

Ich fand die ganze Geschichte von der ersten Seite an spannend und interessant, vor allem mochte ich Luke direkt von Beginn an, er kommt überhaupt nicht rüber wie ein 12jähriger, aber warum das so ist, wird auch hinreichend erklärt und ist durchaus nachvollziehbar und glaubwürdig. 
King erweist sich hier mal wieder als Meister des subtilen Thrills - eigentlich ist es ziemlich heftig, was am Institut passiert und was er da beschreibt, doch dadurch, dass es - die meiste Zeit - aus der Sicht von Kindern erzählt wird, ergibt sich irgendwie eine ganz eigenartige Athmosphäre, die einem die Haare zu Berge stehen lässt. 

Persönlich bin ich ja fasziniert von paranormalen Phänomenen, wie sie hier beschrieben werden, und Stephen King schafft es, alles, was er hier beschreibt, so wahnwitzig es klingt, authentisch klingen zu lassen und den Leser davon zu überzeugen, dass es wirklich sein könnte, was er hier beschreibt. Wer weiß das schon so genau.
Als dann allmählich rauskommt, was das Institut eigentlich mit seinen Machenschaften tatsächlich bezweckt und wie mit den Kindern, nachdem sie diesen Zweck erfüllt haben, geschieht, wird erst - ziemlich spät - das ganze Ausmaß des Grauens klar. 

Zuviel will ich hier nicht verraten, nur noch mein zusammengefasstes Fazit: Einer der besten moderneren Kings, spannend und kurzweilig von Anfang bis Ende, obwohl es kein klassischer Horror ist, behandelt King hier sehr heftige Themen und bewegt sich zwischen der Überschreitung jeglicher ethischer Grenzen der (paranormalen) Wissenschaften und lässt uns darüber nachdenken, wie kurz die Menschheit die ganze Zeit davor steht, sich sehenden Auges selbst auszurotten - und wie weniger Idioten es dafür nur bedarf, die leider munter die Regierungen unserer Welt bevölkern.
Von mir gibt es 5/5 Sterne.

offizieller Klappentext

In einer ruhigen Vorortsiedlung von Minneapolis ermorden zwielichtige Eindringlinge lautlos die Eltern von Luke Ellis und verfrachten den betäubten Zwölfjährigen in einen schwarzen SUV. Die ganze Operation dauert keine zwei Minuten. Luke wacht weit entfernt im Institut wieder auf, in einem Zimmer, das wie seines aussieht, nur dass es keine Fenster hat. Und das Institut in Maine beherbergt weitere Kinder, die wie Luke paranormal veranlagt sind: Kalisha, Nick, George, Iris und den zehnjährigen Avery. Sie befinden sich im Vorderbau des Instituts. Luke erfährt, dass andere vor ihnen nach einer Testreihe im »Hinterbau« verschwanden. Und nie zurückkehrten. Je mehr von Lukes neuen Freunden ausquartiert werden, desto verzweifelter wird sein Gedanke an Flucht, damit er Hilfe holen kann. Noch nie zuvor ist jemand aus dem streng abgeschirmten Institut entkommen.

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