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Freitag, 14. Mai 2021

Rezension: "Singularity" von Joshua Tree



Titel: Singularity
Autor: Joshua Tree
Verlag und Info: Fischer Tor
Bewertung: 4/5 Sterne
TB, 460 Seiten
Preis: 16,99 €
Reihe: nein
Genre: Dystopie/Science Fiction
VÖ: 2021
© S.Fischer Verlage/Fischer Tor 

Werbung - Dieses Buch wurde mir vom Verlag als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Singularity - Joshua Tree

Inhalt 

Adam ist ein 12jähriger Junge, der zusammen mit anderen "überflüssigen" Menschen in einer Arbeitsgemeinschaft in einem Zug legt. Nach einem Aufstand muss er fliehen und macht sich auf die Suche nach seinem verschollenen Vater

In New York hat statt dessen der Unternehmer Stuart ein ganz anderes Problem - seine Tochter Louise ist verschwunden, und nur noch als virtuelles Konstrukt in einer VR-Umgebung vorhanden. Doch er muss unbedingt herausfinden, was mit ihr geschehen ist.

Währenddessen auf Proxima Centauri: Rhea und Phoebe bereiten dort eine ganz besondere Kolonie vor - und der Auftraggeber ist auch gleichzeitig Stuarts Chef.

Das ihre Schicksale alle miteinander verknüpft sind und einige von Ihnen nach Strich und Faden belogen werden, weiß zu Beginn niemand von ihnen - und wenn sie es merken, könnte es zu spät sein.

Beurteilung 

Auf jeden Fall ein sehr komplexes Buch, für das man sich Zeit nehmen und es nicht nur querlesen sollte. Ich kann nicht beurteilen, in wie weit die hier teilweise sehr detailliert beschriebenen technischen Gegebenheiten auf Fakten beruhen (könnten), aber ich denke das tut nichts zur Sache.

Liest man das Nachwort des Autors, wird man in der Vermutung, das einem der Autor mit dieser spannenden Geschichte eine Botschaft mitgeben möchte, durchaus bestätigt.

Aber von Anfang an: Singularity spielt einige Jahrzehnte in der Zukunft in einem Amerika, das nahezu am Ende ist. Der Mensch ist kurz davor, sich durch die Erschaffung einer Super-KI selbst abzuschaffen - Menschen, die keinerlei genetischen Veränderungen oder Verbesserungen haben und noch so leben, wie Gott sie schuf, sind nicht viel mehr als Tiere, werden "Überflüssige" genannt und maximal noch als kontrollierte Arbeitssklaven eingesetzt. Eine gesunde Natur gibt es quasi nicht mehr, alles wird künstlich hergestellt.

In dieser Welt lernen wir ganz gegensätzliche Charaktere kennen: Adam und Utah, zwei Kinder in einer Gemeinschaft von Überflüssigen, sowie James, Stuart und seine Tochter Luise, die in New York City in einer Welt der Reichen und genetischen angepassten Übermenschen leben. Außerdem Phoebe und Rhea, die auf einem fremden Planeten die Aussiedlung der Menschheit von der Erde vorbereiten sollen.

Zwischen diesen drei Perspektiven wechselt die Handlung bei jedem Kapitel hin und her, und es dauert sehr lange, bis sich die einzelnen Stränge für den Leser nachvollziehbar miteinander verknüpfen und zusammengeführt werden.

Am liebsten mochte ich die Parts, in denen es um den 12jährigen Adam und seine Freundin Utah ging, da die irgendwie noch am "normalsten", am menschlichsten und nachvollziehbarsten waren und ich mit Adam als Charakter etwas anfangen konnte und mit ihm mitgehen konnte.

In der persönlichen Geschichte von James und seinem Chef Stuart tat ich mich ziemlich schwer, weil es schon eine sehr abgehobene Vision der Zukunft war und auch immer wieder Beschreibungen der Grundlage dieser hochentwickelten Welt sehr ins Detail gingen, so dass ich beim Lesen in manchen Kapiteln wirklich geistig etwas ausgestiegen bin. Im Grundsatz versteht man schon, was der Autor einem sagen will, aber um das toll zu finden, muss man glaube ich ein richtiger Computer- und Datennerd sein. 

Im Endeffekt leben die Beiden in einer Welt, in der die Technik so weit entwickelt ist, das man eigentlich gar nicht mehr wissen kann, ob man sich in einer der sehr beliebten Simulationen befindet, in der sich viele Menschen mittlerweile mehr aufhalten als in der echten Welt, oder ob das, was um einen herum ist, tatsächlich real ist. Die Welt wird beherrscht von Daten, künstlicher Intelligenz und KI-Hilfsmitteln, man könnte fast sagen, dass die Menschen schon fast mehr computergestützte biologische Systeme sind als "normale" Menschen.

Was Phoebe und Rhea angeht, hier fühlt man sich in eine astreine Science Fiction reinkatapultiert, da sich ihre Geschichte auf einem anderen Planeten abspielt, auf dem sie eine Klonkolonie aufbauen sollen - schon alles sehr "spacig".

Ich muss sagen, dass es mir zwischendurch immer mal wieder schwerfiel, längere Passagen am Stück zu lesen, da es wie eingangs schon gesagt, inhaltlich stellenweise schon recht anstrengend werden kann, den Beschreibungen und schon fast philosophischen Betrachtungen der Menschheit und der "Big Data Welt" en Detail zu folgen. Daher war ich über den häufigen Perspektivwechsel sehr dankbar, da vor allem die Kapitel, die sich um Adam drehen, eine erholsame Abwechslung boten und einfach zu lesen waren, für mich mithin auch am Spannendsten, weil es bei Adam um einen reinen Überlebenskampf, bei den anderen eher um technisch abstrakte Luxusprobleme ging.

Es ist schon interessant und auch spannend, die Auflösung des ganzen am Ende kommt relativ aprupt und war für mich eher so semi-befriedigend - es wurden für mich auch nicht alle Fragen, die die ganze Geschichte aufwirft, abschließend geklärt. Aber ich denke da schließt sich der Kreis und genau das ist auch das, was der Autor neben guter Unterhaltung bezweckt - darüber nachzudenken, wie wahrscheinlich ein solches Szenario ist für die nächsten 50-100 Jahre.

Ich persönlich glaube schon, dass wir noch einen gewaltigen Sprung machen werden, was die Themen KI und VR angeht - aber ich glaube nicht, das es tatsächlich so krass wird, wie es hier skizziert wurde. Ich glaube, dass da doch noch mehr Mensch und Seele in uns steckt, als das so etwas flächendeckend funktionieren könnte. Ob wir dafür auf diesem Planeten überhaupt noch die Zeit haben, ist die andere Frage.

Wie bewerte ich das nun? Ich fand die Geschichte insgesamt spannend, aber ehrlich gesagt für mich etwas zu detailverliebt und einige der Protagonisten konnten mich bis zum Schluss nicht so hundertprozentig erreichen. Wer sich für solche Zukunftsszenarien interessiert, wird hier sicherlich eine passende Lektüre für sich gefunden haben. Für mich darf es gerne eine Spur seichter sein, das reicht mir völlig aus.

Ich gebe 4/5 Sterne. 


Klappentext

Ende des 21. Jahrhunderts. Mittlerweile ist die gesamte Menschheit in zwei Gruppen gespalten: Während die einen mit bester medizinischer Versorgung ein langes Leben führen, sind die anderen schlicht überflüssig. Als billige Arbeitskräfte fristen die meisten Menschen ein mieses Dasein.

Einer dieser Überflüssigen ist James, ein Hausdiener bei der Elite. Sein neuer Herr gibt ihm einen rätselhaften Auftrag: Er soll dessen verschollene Tochter wiederfinden – in einer virtuellen Simulation.

Schon bald erkennt James, dass nicht bloß die Grenzen von Wirklichkeit und VR verschwimmen, sondern auch die von Mensch und Maschine. Und ihm offenbart sich ein schreckliches Geheimnis, das die Zukunft und Vergangenheit der Menschheit in Frage stellt.

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