Samstag, 2. September 2017

Rezension: "Rosen und Knochen" von Christian Handel


Titel: Rosen und Knochen
Autor: Christian Handel
TB, 200 Seiten
Preis: 12,00 €
Genre: (Dark) Fantasy, Märchenadaption
Reihe: Band 1, noch unbekannt


Rosen & Knochen - Christian Handel


Inhalt
 
Schneeweißchen und Rosenrot, die sich einen Namen als Hexenjägerinnen gemacht haben, werden in ein kleines Dorf gerufen, weil im angrenzenden Wald eine Hexe ihr Unwesen treiben und brave Bürger und Wanderer bedroht und immer wieder Kinder verschwinden.

Ein junges Mädchen ist ihr vor kurzem als Einzige entkommen, sie hat die Hexe getötet,

ist aber leider bereits weitergezogen und somit keine Zeugin. Doch trotzdem wird die Hexe immer wieder gesehen und der Spuk geht weiter. Und so machen sich die beiden jungen Frauen auf den Weg zum Hexenhaus, wo sie vor eine größere Herausforderung gestellt werden, als sie ahnen.

Dieser Auftrag wird zur Zerreißprobe für die junge Liebe zwischen den beiden Mädchen, die sich mit allerlei übernatürlichen Phänomenen herumschlagen, Geisterkinder retten und das Rätsel um die Hexe lösen müssen.

 
Beurteilung

Den Autor Christian Handel kenne ich bereits als Herausgeber der Märchenanthologie "Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln", in der auch bereits eine Kurzgeschichte von ihm erschienen ist. Daher war ich sehr gespannt auf seinen Debutroman "Rosen & Knochen", den er, finde ich, sehr geschickt angekündigt hat - mit dem gemeinen Zitat Würdest Du Dich trauen, bei Mitternacht das Grab einer Hexe zu betreten? hat er mich total angefixt.

Dann das Release des wunderschönen Covers, der geheimnisvolle Titel - ich würde sagen, die Vorbereitung auf die VÖ war schon mal perfekt!

Ein bisschen enttäuscht war ich, als ich festgestellt habe, dass es sich "nur" um eine Novelle und keinen ausgewachsenen Roman handelt - aber vielleicht wird es ja eine Reihe und wir haben alle um so länger was davon, dann eben auf Raten, aber bei guten Serien im Fernsehen ist es ja auch nicht anders.

Und ein bisschen gefürchtet habe ich mich, dass ich vielleicht zuviel erwarte, da ich wirklich totale Vorfreude auf das Buch hatte und gezittert habe, ob es auch so gut ist wie ich gehofft habe.

So, und jetzt mal Tacheles: Ich habe die ersten Sätze gelesen und war ab Seite 3 total begeistert (so lange hat es gedauert, bis ich mich mal orientiert habe und wusste, wer und wo ich eigentlich durch die Augen des Erzählers bin). Eine wundervolle Kombination aus zwei wunderbaren, bekannten Märchen: Schneeweißchen & Rosenrot sowie Hänsel & Gretel wurden hier zusammenkomponiert und über zwei Zeitebenen miteinander verwoben.

Es ist wirklich schön zu lesen, wie Christian Handel auf der einen Seite den Originalmärchen treu bleibt, es auf der anderen Seite aber versteht, die Geschichten aus einem völlig anderen und moderneren Blickwinkel zu betrachten. Habt Ihr Euch schon mal bei Märchen gefragt, was vor der Geschichte mit den Figuren passiert ist - und nach dem Ende der Geschichte?

In Rosen & Knochen erfahren wir dies im Falle der Figuren der beiden verwendeten Märchen. Ich kann mich nur wiederholen: Ohne die Schönheit und Grundidee der Märchen zu beschädigen, gibt uns Christian Handel hier einfach eine größere Welt um die uns bekannten Geschichten herum, so dass wir das Gefühl haben, wirklich einzutauchen und daneben zu stehen.

Ich habe die unheimliche Atmosphäre und die Zauber auf dem Grundstück der Hexe tatsächlich beim Lesen bildlich vor mir sehen können, konnte mich richtig in diese Situation hineinversetzen. Die beiden Mädchen Schneeweißchen und Rosenrot sind interessante Charaktere, obwohl beide vermutlich nicht meine besten Freundinnen werden würden - warum kann ich Euch nicht verraten, da ich sonst zuviel über die Geschichte ausplaudern würde. Aber die Reaktion von Rose auf eine bestimmte Handlung von Schneeweißchen und deren Gefühlsduselei darauf hin, das war mir ein bisschen zu tussig, wenn ihr wisst wie ich meine, vor allem für zwei so toughe Hexenjägerinnen - aber deswegen kann man ja eben auch nicht jedermanns Freund sein.

Sehr, sehr spannend fand ich die Darstellung des Charakters Gretel aka Margarete, die Schwester von Hänsel. So ganz aufgelöst wurde das Rätsel ja noch nicht - ob es noch weitere Märchenverarbeitungen von Christian Handel geben wird, ob diese zusammenhängen werden und ob dieser Charakter nochmals auftaucht?

Wir werden es hoffentlich bald erfahren!

So, jetzt habe ich eine Menge geredet, hier ist mein Fazit: Unbedingt lesen - ein tolles Debüt, ein eingängiger und lebendiger Schreibstil, der einen sofort mitreißt, alte Märchen aus neuem Blickwinkel, eine Hexe, Geister - ich will mehr, und bis dahin gebe ich 5 von 5 Rezisternchen.

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