Sonntag, 23. September 2018

Rezension: "Nordland - Hamburg 2059 - Freiheit" von Gabriele Albers

Titel: Nordland - Hamburg 2059 - Freiheit
Autor: Gabriele Albers
Verlag und Info: Acabus Verlag
TB, 662 Seiten
Preis: 18,00 €
Genre: Dystopie
Reihe: Nein

Gabriele Albers - Nordland (Hamburg 2059 - Freiheit) 


Inhalt 

In Norddeutschland herrschen die Wirtschaftsbosse. Sie haben die Ressorts wie Energieversorgung, Wasserversorgung etc. unter sich aufgeteilt. Wer Geld hat, kann alles haben, wer keins hat, fällt durchs Raster. Doch auch unter diesen Spitzenpolitikern herrscht ein ständiger Krieg und jeder versucht, die anderen zu stürzen und selbst noch mächtiger zu werden.

Doch es gibt auch einen Widerstand, der versucht, dieses System zu untergraben und zu stürzen.  

Frauen gelten im bestehenden System nicht viel. Als Lilith, die Tochter von einem der ganz großen Spitzenpolitiker, beginnt, unbequeme Fragen zu stellen
und hinter die Kulissen zu schauen, erweckt sie das Interesse des Widerstands. Immer mehr wird ihre Welt erschüttert und sie beginnt das bestehende System anzuzweifeln.

Ob Sie allein es schaffen kann, das System auszuhebeln und die Welt wieder zu einer gerechteren zu machen, ist die Frage, die sich in dieser Geschichte stellt.


Beurteilung 

Vor dem Buch an sich kann man schon mal Respekt bekommen. Dieser Wälzer ist ein richtiger Totsschläger mit seinen knapp 700 Seiten. Das Cover ist in schwarz und grau gehalten und sehr düster. 

Und das ist auch die Stimmung, die das Buch vermittelt. Es ist seltsam, aber der vorherrschende Eindruck, den ich bei der ganzen Lektüre hatte, war: "dunkel. Nacht". Ich hatte beim Lesen das Gefühl, es sei permanent Nacht in Deutschland, also buchstäblich dunkler Himmel. Kennt ihr das?

Insgesamt ist "Nordland" weit weg von romatischen Jugenddystopien, Regenbogen und fantastischen technischen Entwicklungen. 

Es ist kalt, düster, deprimierend, beklemmend, und leider beängstigend nah an der wahrscheinlichen Wahrheit. 
Trotzdem erschlägt Nordland nicht mit politischen Kleinteiligkeiten (auch wenn es, allein schon um die Handlung zu erklären, teilweise recht detailliert auf einzelne Entwicklungen und Verhältnisse eingehen muss). Also etwas Konzentration benötigt man schon beim Lesen.

Aber trotz der Länge ist Nordland keine Sekunde langweilig. Die Entwicklung der Handlung und der Charaktere überrascht doch immer wieder neu. 
Lilith ist ein sehr interessanter Charakter, der einem auch die eigenen Schwächen und Stärken wie ein Spiegel aufzeigt. Sie ist keine Überheldin, sondern eine Frau, die trotz Unterdrückung Ihres Geschlechts gelernt hat, hinzuschauen, selbst zu denken und Fragen zu stellen, und bei ihren Versuchen, das System zu infiltrieren ohne negativ aufzufallen, mal mehr und mal weniger Erfolg hat. Man merkt, dass auch ihr Denken vom System geprägt ist und sie erst allmählich lernt, alles, was man ihr von Kind auf beigebracht hat, in Frage zu stellen.

Allein um Liliths Geschichte zu verfolgen, lohnt sich die Lektüre schon auf jeden Fall. 
Von den anderen Charakteren ist mir jetzt keiner in bleibender Erinnerung geblieben (die Lektüre ist schon einige Wochen her). Doch es lohnt sich, mal über mehrere Wochen die Nachrichten zu schauen und die Berichte und Entwicklungen mti der im Buch beschriebenen Situation zu vergleichen.

Auch sehr spannend: Wie der Rest der Welt auf die Entwicklung in Deutschland reagiert. Hier will ich nicht zuviel verraten - nur soviel: Es dauert leider viel zu lange, bis andere nicht mehr nur zuschauen, sondern wirklich auch etwas tun.

So weit weg sind wir nicht - und die Geschichte spielt ja auch in nicht allzuweiter Ferne. Vielleicht denke ich in 40 Jahren nochmal an dieses Buch und ziehe Vergleiche...

Mein Fazit: Nordland ist ein absolut lohnenswertes Buch für Menschen, die sich ernsthaft mit unserer Zukunft beschäftigen und vielleicht durch solche Geschichten ein wenig "aufgerüttelt" werden - noch kann der Weg geändert werden.  Nordland bekommt auf jeden Fall 5 Sternchen von mir.

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