Sonntag, 30. Oktober 2016

Rezension: "Eines schönen Todes" von Thias Bene



                                                                          Titel: Eines schönen Todes (kein Märchenbuch)
Autor: Thias Bene
Verlag und Info: Periplaneta Verlag
TB, 157 Seiten
Preis: 12,50 € 
Reihe: nein

Eines schönen Todes - Thias Bene

Inhalt

Eines schönen Todes besteht aus mehreren Kurzgeschichten. Diese haben jeweils die Titel von bekannten Märchen - nur dass diese aus Geschichten aus der Gegenwart bestehen und leider keine Happy Ends haben.

Zu vielen Märchen finden wir hier Analogien: Hänsel und Gretel, Dornröschen, Schneewittchen, Sterntaler, das letzte Einhorn, Rapunzel, um nur einige zu nennen.

Wenn man diese Geschichten liest, haben sie allerdings leider nicht mehr viel mit den Märchen gemein: Kidnapper, Vergewaltiger, Judenverfolgung, Serienmörder, Drogendealer und Drogenjunkies und anderen unbeliebten Gestalten unserer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts begegnen wir hier.

Thias Bene gibt uns in seinen Kurzgeschichten Momentaufnahmen auf Szenen, die in unserer Gesellschaft täglich vorkommen und doch immer bewusst übersehen und nur ungern thematisiert werden. 


Beurteilung

Zunächst war ich vom Titel selbst fasziniert - diese Verunglimpfung eines typischen Märchenanfangs im Zusammenhang mit dem Tod und der Untertitel "kein Märchenbuch" haben mich als Fan sowohl von Märchen als auch von schaurigen Geschichten neugierig gemacht.

Eines schönen Todes ist ein unglaublich faszinierendes Buch, allerdings muss man meines Erachtens eine stabile Psyche haben, um während oder nach dem Lesen nicht depressiv zu werden.

Die Kurzgeschichten beginnen ihrem Titel entsprechend meist wie das bekannte Märchen. Nach wenigen Sätzen wird klar, dass wir uns mehr oder weniger in der zeitlichen Gegenwart befinden und um was es tatsächlich geht.

Als Beispiel: Hänsel und Gretel irren durch den Wald - nur dass sie hier nicht von einer Hexe verfolgt werden, sondern von Wächtern eines Nazilagers, dem sie durch Zufall entkommen sind.
Rapunzel ist eine drogensüchtige Obdachlose, und Sterntaler ist ein junges Mädchen, dass erst sehr spät erkennt, dass sie ihre komplette Jugend durch sexuell missbraucht wurde und dadurch wohl eine Persönlichkeitsstörung entwickelt hat, die sie Pferde umbringen lässt.

Die Geschichten können unabhängig voneinander gelesen werden, hängen aber lose zusammen und/oder beleuchten eine Erzählung aus unterschiedlichen Blickwinkeln der verschiedenen handelnden Personen.

Bei jeder einzelnen Situation habe ich mich im innersten erschrocken, als mir beim Lesen klar wurde, von was der Autor tatsächlich spricht. Dieser schonungslose Zug vom Märchen in die bittere Realität ist bei jeder Geschichte von neuem in tiefster Seele erschrecken.

Ich kann nicht den Finger darauf legen, WIE der Autor das genau geschafft hat - aber die Atmosphäre in diesem Buch kann ich nur als "zwingend" beschreiben - düster und deprimierend, oft mit dem Tod endend, werden uns die Schattenseiten unserer Gesellschaft vor Augen gehalten. Was das Buch so außergewöhnlich macht, ist eben die "Gleichsetzung" mit der heilen Welt der Märchen, die hier hinzugezogen werden.

Unglaublich mitreißend geschrieben, lässt sich dieses Buch, einmal angefangen, nicht mehr aus den Fingern legen. 
Sollte man unbedingt lesen - und danach am besten eine Tafel Schokolade und einen schnulzigen Film mit Happy End, um die gebeutelte Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen. 5 von 5 Rezisternchen.






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