Montag, 7. Februar 2022

Rezension: "Weil wir träumten" von Antonia Michaelis



Titel: Weil wir träumten
Autorin: Antonia Michaelis
Verlag und Info: Thienemann-Esslinger Verlag
Bewertung: 4/5 Sterne
HC, 448 Seiten
Preis: 18,00 €
Reihe: nein
Genre: Schicksalsroman
VÖ: 2022
© Thienemann-Esslinger Verlag

Werbung - Dieses Buch wurde mir vom Verlag als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Weil wir träumten - Antonia Michaelis

Um was geht's?

Die 16jährige Emma ist seit ihrer Geburt herzkrank. Die Ärzte geben ihr nicht viele Chancen. Doch sie erfüllt sich einen großen Wunsch: Zusammen mit Oma Elisa fliegt sie nach Madagaskar, um von ihrer überängstlichen Mutter loszukommen. Dort lernt sie Fy kennen, eine junge gebürtige Madagassin, und durch sie lernt Emma das wahre Leben hinter der touristisch geprägten Oberfläche kennen. Sie und Fy freunden sich an, und Emma wird mehr und mehr in Fys Geschichte und das Schicksal von deren Familie hineingezogen.

Beurteilung

Obwohl so ein Schicksalsroman gar nicht mein  Genre ist, hat mich die Geschichte von Anfang an in ihren Bann gezogen. Antonia Michaelis hat hier sehr gelungen und realistisch die so oft gerade an südlichen Urlaubsmagneten vorliegenden krassen Gegensätze beschrieben: Die Schönheit und das perfekte Leben, das den Touristen vorgespielt wird, die möglichst abgeschottet werden von der Armut der Bevölkerung, von der Behandlung der einfachen Menschen durch ungerechte Regimes in bettelarmen Ländern, von den Ängsten und Nöten einer unterversorgten Masse an Menschen, die bei uns in den westlichen Ländern meistens unvorstellbar sind.

Ganz allmählich, Schritt für Schritt macht Emma als weiße Touristin gedanklich eine Metamorphose durch und ihr wird klar, dass nicht alles so ist, wie es ihr vorgespielt wird, dadurch, dass sie von der seltsamen Fy, die für ihr Hotel arbeitet, fasziniert ist.

Aber ganz ehrlich, auch wenn ich die Geschichte und das dramatische Schicksal von Fy und ihren Geschwistern total spannend fand, auch wenn es mich fasziniert hat, ihre Welt kennenzulernen und zu lernen, wie sie denken, wie sie über die Weißen denken, mit wie wenig sie zufrieden sind, vor was sie Angst haben: Es war mir einfach too much.

Emma ist mir zunehmend auf die Nerven gegangen. Klar, sie ist herzkrank und das tut mir leid, ich kann mir vorstellen, dass das kein schönes Leben ist, das man zur Hälfte im Krankenhaus verbringt und in dem man nichts darf. Aber diese ständige Selbstbemitleidung und das Jammern auf hohem Niveau, dieses Vergleich ziehen zum Leben der Madagassen, das ist mir zu sehr gewollt herzanrührend für uns privilegierte Leserschaft. 

Um die Situation und Hilfsbedürftigkeit, um die Ungerechtigkeiten in diesem Land herauszustellen, hätte ich es sogar besser gefunden, wenn Emma ein normales, gesundes Mädchen gewesen wäre - das sich TROTZDEM mit der Wahrheit hinter der glitzernden Oberfläche beschäftigt und sich für das Leben der hiesigen Menschen interessiert. So hatte ich das Gefühl, dass Emma sich nur wegen ihrer eigenen Krankheit damit beschäftigt, weil sie ständig Vergleiche zieht und versucht, ihrem schlimmen kranken Leben zu entkommen. Wäre Emma gesund, hätte sie dann auch nur einen Gedanken verschwendet? Nein, so entstand bei mir zumindest der Eindruck.

Und das fand ich sehr schade. Auch Emmas nahezu heroischen und altruistischen, aber auch unsagbar dummen Aktionen, als es darum geht, Fy in ihr Leben zu folgen und ihrer Familie zu helfen, waren für meinen Geschmack zu überkandidelt. Das hat meine Freude an der ansonsten wirklich toll und lebensnah geschriebenen dramatischen Story etwas reduziert.

Am Anfang war es auch etwas zäh, ich bin relativ schnell müde geworden, mir Emmas gedankliches Gehadere mit ihrem Schicksal durchzulesen. Etwa bei der Hälfte nimmt es aber deutlich Fahrt auf, nämlich genau dann, als die stückweise Offenlegung von Fys Vergangenheit beginnt. Sie und ihre Familie und ihre Geschichte sind wirklich ein kleiner Krimi, richtig filmreif, aber irgendwie trotzdem glaubhaft und authentisch. Das hat es total rausgerissen und einen Ausgleich zu der für mich wirklich mehr und mehr unsympathischen Protagonistin zu schaffen.

Das ist natürlich immer sehr subjektiv, bin mal gespannt, wie andere das beurteilen. Von mir gibt es 4/5 Sterne für das Buch.

 

Klappentext

Ein bewegender Jugendroman von einer hochkarätigen Autorin, der die Leser*innen nach Madagaskar entführt. 

Madagaskar mit seinen Traumstränden, exotischen Tieren und Blütenmeeren – das reinste Paradies für Emma! Hier kann sie endlich all die Einschränkungen vergessen, die ihre Herzkrankheit mit sich bringt. Doch als Emma die Madegassin Fy kennenlernt, erfährt sie von Armut, Gewalt und einem schrecklichen Geheimnis, den Schattenseiten des Paradieses.

Eine berührende Geschichte über eine besondere Freundschaft

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