Sonntag, 3. Februar 2019

Rezension: "Davor und Danach" von Nicky Singer


Titel: Davor und Danach
Autor: Nicky Singer
TB, 384 Seiten
Preis: 19,00 €
VÖ:2019
Genre: Dystopy
Reihe: Nein

Davor und Danach - Nicky Singer


Inhalt

Klimawandel, demographische Entwicklung, Flüchtlingsdrama, wiedererwachendes Grenzbewusstsein.
Durch den Klimawandel ist ein Leben nur noch im Norden möglich, weshalb die Menschen zu Tausenden aus den südlichen Bereichen der Welt in den Norden flüchten. Dort hat man Angst vor dem Ansturm und schafft neue Grenzen. 
Alle Menschen, die das 74. Lebensjahr erreichen, werden exekutiert, um das Steigen der Weltbevölkerung und den demographischen Wandel im Griff zu haben. 

In dieser Welt wird die 14 jährige Mhairi, die in Schottland geboren wurde, aber die letzten Jahre mit ihren Eltern im Sudan verbracht hat, auf ihrem Heimweg von ihren Eltern getrennt und muss sich alleine Tausende von Kilometern Richtung Schottland durchschlagen - um festzustellen, dass ihre Herkunft keine Rolle mehr spielt und sie der Willkür der Regierung ausgesetzt ist.




Beurteilung 

Fangen wir mal mit dem Äußeren an, das Buch ist schon ein Hingucker. Sehr ungewöhnlich, dass auf dem Cover nur ein Bild zu sehen ist, ohne irgendwelchen Text wie Titel, Autor oder Verlag. Das Gleiche auf der Rückseite, mit umgekehrten Farben. Es besitzt einen doppelten Buchrücken, einmal in weiß und einmal in Dunkelbraun. 
Das Bild selbst ist wunderschön in Gold gehalten. Ich schwadroniere normalerweise nicht so viel über ein Cover, aber das hier gefällt mir in seiner Rafinesse und der Schlichtheit ausnehmend gut.

Soviel zur Form. 
Inhaltlich wusste ich nur, dass es um eine Dystopie geht, habe ich mich aber weiter nicht mit dem Inhalt beschäftigt gehabt. Um so mehr hat mich das Buch von der ersten Seite an mitgerissen.

Wir erleben mit, wie sich Mhairi in ihrer für sie feindlichen Umgebung zu Fuß und mit einem Jungen, der nicht mit ihr spricht und den sie nicht kennt, tage- und wochenlang über Kilometer und ohne jegliche Ausrüstung zu  Fuß Richtung zu Hause durchschlägt, immer wieder durchbrochen von Rückblicken in die Vergangenheit. 

Erst während dem Lesen ist mir aufgegangen, dass sich das Buch mit einem (leider) topaktuellen Thema beschäftigt - nein, eigentlich sogar zwei: Der Klimawandel und Flüchtlinge - und beides zu einem absoluten Pageturner verpackt. Okay, drei Themen: Die steigende Lebenserwartung und die Problematik wie mit immer mehr älteren Menschen umzugehen ist.

Mhairi und der Junge ohne Namen habe ich beide sofort in mein Herz geschlossen. Mhairi wird vom Leben in eine Situation gezwungen, in die kein 14jähriges Mädchen kommen sollte, und es hat mich wirklich berührt, wie man verfolgen konnte, wie sie versucht, mit dem Schicksal ihrer Familie fertig zu werden, pragmatisch immer einen Schritt nach dem nächsten zu gehen und sich immer wieder Gedanken über die aktuelle Situation der Welt macht - im Rahmen ihres erst 14 Jahre gereiften Verstandes. 

Für rührende Momente und immer wieder ein Schmunzeln sorgt der kleine Junge, dem sie irgendwann den Namen "Mo" verpasst. Und dass die Geschichte dann noch in meinem Herzensland Schottland spielt - zumindest teilweise - hat die Story dann für mich noch perfekt abgerundet.

Der Schreibstil von Nicky Singer in diesem Buch ist, wie schon beschrieben, ein Pageturner - man kommt einfach nicht weg, es ist eine Geschichte, die man, einmal begonnen, einfach nicht mehr aus der Hand legt. Und aufgrund der starken Parallelen zu den Themen, die unsere Gesellschaft aktuell tatsächlich bewegen, kam ich als Leser nicht dran vorbei zu überlegen, wie wahrscheinlich ein solches Szenario tatsächlich ist. Einige Punkte sind schon da, einige werden sich noch verschärfen, andere werden wir hoffentlich nie, nie erreichen.

Ich fand es zwar ein wenig einseitig, weil nur ein kleiner Ausschnitt der Welt behandelt wurde - schade, dass hier nicht etwas umfassender über die Gesamtsituation zwischen allen Nationen und Länderbündnissen berichtet wurde, das hätte man sicherlich noch ausarbeiten können, um die Gesamtatmosphäre des Buchs zu vertiefen und das Ausmaß des "Danachs" zu verdeutlichen, auch ohne zuviel Komplexität in die Geschichte zu bringen, auch wenn es ein Jugendbuch ist. 

Trotz dessen fand ich die Geschichte sehr gut, auch wenn mich das Ende etws fertiggemacht hat - Davor und Danach bekommt von mir 5 Sterne.

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