Donnerstag, 20. Februar 2020

Rezension: "Puppenspiel" von Andreas Aschberg

Titel: Puppenspiel
Autor: Andreas Aschberg
Wertung: 5/5 Sterne 
Reihe: Nein
VÖ: 2020
Genre: Zukunftsroman
HC, 488 Seiten
Preis: 22,00 €
© Storyhouse Verlag 

Werbung - Dieses Buch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Puppenspiel - Andreas Aschberg 


Inhalt 

Egidius Stahl und seine zwei Mitarbeiter Lizz und Bülent wollen eine etwas ruhigere Kugel schieben und suchen im Netz nach Klienten, denen sie kleine und leicht zu erledigende Detektivarbeiten erledigen können. 
Da kommt ihnen der Aufruf der älteren Marion, die wissen will, wer ihre Katze auf dem Gewissen hat, gerade richtig. 
Doch als die drei Marions ganze Geschichte hören, werden sie hellhörig: Da stimmt doch etwas ganz und gar nicht.... und so geraten diese vier so verschiedenen Menschen unversehens mitten hinein in das ganz große Verbrechen, das bis in die hohe Politik seine Kreise zieht.

Beurteilung 

"Dieses Buch ist keine Dystopie", schreibt der Autor ganz am Anfang. Das stimmt. Eine Utopie aber auch nicht. Als Zukunftsthriller ist es beschrieben, und das kann man auch so stehen lassen.

Die Geschichte spielt im Jahr 2040 in Deutschland, die Protagonisten sind entweder gerade um unsere Gegenwart herum geboren worden, die etwas älteren Personen können sich noch an unsere Jetztzeit erinnern und kommen mehr oder weniger gut mit den rasanten Entwicklungen, die Technik und künstliche Intelligenz dem Alltagsleben aufgezwungen haben, zurecht.

Das Buch ist keine ganz leichte Lektüre. Ich musste es deutlich langsamer lesen als viele andere Bücher, was aber nicht daran liegt dass es schwer verständlich ist, aber es ist gespickt mit vielen Details, die man beim Schnelllesen verpasst. In der relativ komplexen Handlung verliert man denke ich schnell den Anschluss und die Zusammenhänge, wenn man versucht querzulesen.

Trotzdem hat mir "Puppenspiel" unerwartet gut gefallen. Man liest doch selten Romane, die in einer relativ nahen Zukunft liegen und diese weder postapokalyptisch oder total strange dastehen lassen. Andreas Aschberg versucht auf sehr humorvolle Weise, uns eine in seiner Vorstellung realisitische Welt in ungefähr 20 Jahren zu versetzen, wie sie dann seiner Meinung nach aussieht, und ich muss sagen, ganz abwegig finde ich seine Vision nicht, auch wenn ich nicht glaube, dass einige der von ihm dargestellten Entwicklungen ganz so extrem sein werden.

Man stelle sich vor, dass natürlich der Einsatz künstlicher Intelligenz den Alltag erreicht -  an vielen Stellen wie zum Beispiel der Polizei oder anderen öffentlichen Anlaufstellen erreicht man auf Anhieb erst mal nur noch KI's. Die Menschen sind dann quasi nur noch "Second Level". Autos fahren autonom, die vernetzten Brillen sind aus den Gesichtern der Menschen nicht mehr wegzudenken.
Ob das jetzt besser oder schlechter ist als heute, liegt im Auge des Betrachters. Eines hat sich aber in dieser Welt noch nicht verändert: Die Gier nach Macht und politische Meinungsverschiedenheiten. In dieser Welt geraten Egidius und seine Mitarbeiter sowie deren Klientin Marion unverhofft zwischen die Fronten.

Highlight der ganzen Handlung ist auf jeden Fall der Humor des Autors. Sie strotzt nur so vor mehr oder weniger ironischen Andeutungen auf unsere aktuelle Gesellschaft, unsere Promis, auf was uns wichtig ist und unsere Politik. 
Am allerbesten fand ich die "Galaxis" - Douglas Adams Fans werden mit dieser Geschichte voll auf ihre Kosten kommen,das kann ich versprechen! 
 
Die Protagonisten sind einfach fantastisch normal, total authentisch und man kauft ihnen einfach alles, was sie tun und denken, komplett ab. Selbstkritisch und selbstironisch versuchen sie sich irgendwie in dieser wahnwitzigen Gesellschaft zurechtzufinden. Bülent, dessen Eltern Fan eines bestimmten Comedians waren, ist ein begnadeter Hacker, der im wahren Leben aber regelmäßig grandios versagt, vor allem wenn es um Frauen geht. 
Egidius, der Frontmann unserer selbsternannten Detektive, ist schon etwas älter, lebt alleine und glaubt nicht mehr daran, nochmal eine große Liebe zu finden. Er ist noch einer der alten Schule und arbeitet lieber mit bewährten Mitteln als mit neuer Technik. Und Lizzy, Bülents Kollegin, hat so ihre ganz eigenen Talente, die eine hervorragende Ergänzung für die beiden Männer sind.

Und die gute Marion, Klientin von Egidius und Kollegen und unfreiwillige Heldin des Buchs, ist die allerbeste. Sie haut immer in so unerwarteten Momenten raus, das es eine Freude ist.

Da kann man über den ganzen Überraschungen, die das Setting und die Protagonisten einem auf jeder Seite bieten, fast schon vergessen, dass es sich hier eigentlich wirklich um einen Thriller handelt - eine brandneue Erfindung wird missbraucht und zu einer perfiden Manipulation anderer Menschen eingesetzt, auch vor Gewaltverbrechen schreckt die Organisation, gegen die Egidius hier antritt, nicht zurück.

Fazit: Es fällt mir richtig schwer, eindeutige Worte für dieses Buch zu finden, weil es einfach so viel bietet und sich so extrem von dem übrigen Einheitsbrei abhebt, da weiß man erst mal gar nicht wo man ansetzen soll, wenn man darüber sprechen möchte. Eine komplexe, aber nicht schwere Lektüre, eine sehr detailreiche, aber trotzdem stringent einem roten Faden folgende Story, während der man unglaublich viel entdecken und noch mehr Spaß haben kann mit den sympathischen und liebenswerten Protagonisten. 
Stellenweise ist die Handlung sicherlich etwas abstrus und überspitzt, aber das gehört eben zur erzählerischen Freiheit dazu. So richtig auszusetzen finde ich einfach nichts an dem Roman, deswegen gibt es von mir auch 5/5 Sterne.


offizieller Klappentext

2040. Das Lifenet hat gerade das Internet abgelöst. Harte Zeiten für Rentner wie Egidius Stahl, geboren in einer Zeit, als Telefone noch Wählscheiben hatten. Aber wenn Egidius seine nette, neue Klientin retten will, dann muss der Privatermittler wohl oder übel mitten hinein in die virtuelle Welt des Lifenets. Dabei weiß er noch nicht einmal, wie man einen Plasmatank benutzt. Viel Zeit, es herauszufinden, hat er nicht. Denn während in Potsdam die Vorbereitungen der von vielen argwöhnisch beäugten Euro-Protect Konferenz anlaufen, steht plötzlich nicht mehr nur das Leben seiner Klientin auf dem Spiel, sondern auch das des deutschen Außenministers. Von seinem eigenen ganz zu schweigen.

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